Flipped Classroom – ein kritischer Blick

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Flipped Classroom“ ist ein Unterrichtskonzept, bei dem die Schülerinnen und Schüler klassische Hausaufgaben eher in der Schule und mit Assistenz einer Lehrkraft erledigen und den eigentlichen Unterrichtsstoff daheim behandeln.

Letzteres erfolgt in einem digitalen Lernkontext oft in Form von Lehrvideos oder Online Content.

Mir hat der Flipped Classroom die Augen geöffnet was es heißt, das Klassenzimmer und das Lernen in die Hände der SchülerInnen zu legen und mich zurückzunehmen.

Sebastian Schmidt

Realschullehrer in Neu-Ulm

Der umgedrehte Unterricht

 

Vorteile durch flipped classroom

Ein Vorteil dieses Konzepts ist, dass die Lernenden komplexe Inhalte in ihrem eigenen Tempo durchgehen können. Auch die Pausengestaltung bleibt so den individuellen Vorlieben überlassen und das Lernen kann zu einer Tageszeit geschehen, an der die Schülerin oder der Schüler möglichst aufmerksam ist. Die beste Zeit zum Lernen ändert sich bekanntlich mit dem fortschreitenden Alter der Lernenden, so verschiebt sich der Schlaf-wach-Rhytmus bei Pubertierenden deutlich nach hinten.[1]

Passagen, die als schwierig empfunden werden, können in diesem Format leicht wiederholt werden und garantieren so einen optimalen Lernfortschritt; Lernende, die das Thema schnell begreifen, können Abschnitte überspringen bzw. vertiefen – ganz im Sinne der Individualisierung und Differenzierung.

Die aktiven Phasen des Übens, die im klassischen Lernszenario oft als Hausaufgabe aufgegeben werden, finden in der Schule statt. So können Fragen geklärt werden und die Lernenden sind in dieser für den Lernerfolg entscheidenden Phase nicht auf sich allein angewiesen. Auch Gruppenarbeiten oder Projektarbeiten sind mögliche Arbeitsformen, die im Klassenzimmer stattfinden, um ein Durchdringen des Themas handlungsorientiert zu erreichen.

 

Und die Stolpersteine des „fc“?

Den vielen positiven Aspekten dieses Konzept stehen allerdings einige nicht unerhebliche Stolpersteine im Weg, die in meiner Unterrichtspraxis evident sind.

Schülerinnen und Schüler, im Gegensatz zu Lernenden an Universitäten, sind in der Aneignungsphase komplexer Inhalte auf die professionelle Lenkung der Lehrkraft angewiesen und brauchen eine gezielte Schwerpunktsetzung. Unterrichtsstoff in einem digitalen Format entsprechend aufzubereiten und zu vermitteln ist sehr komplex und kann nur beschränkt von Lehrkräften verlangt werden.

Leider fehlen professionelle und auf konkrete Altersgruppen zugeschnittene Materialien noch zu oft. Dass Schülerinnen und Schüler in der Altersgruppe unter 15 Jahren ihr Material selbst recherchieren halte ich nicht für zielführend. Besonders kritisch sehe ich allerdings den vermeintlichen Vorteil der selbst gewählten Arbeitszeit. Ich halte es für naiv anzunehmen, dass eine Mehrheit der Schülerinnen und Schüler in der Lage ist im Stile des „Home Office“ selbstdiszipliniert Zeit in dem nötigen Umfang zu investieren. Oft wird vergessen, dass dies sogar vielen Erwachsenen schwerfällt.

Disziplin ist ja gerade eine dieser „Soft Skills“, die zu erlernen ein ganzes (Schüler-)Leben dauert und in der pädagogischen Arbeit einen großen Raum einnimmt. Sie als gegeben anzunehmen und darauf zu vertrauen, dass die Jugendlichen vorbereitet im Klassenraum erscheinen, deckt sich nicht mit meiner Schulrealität.

 

Das ist mein Fazit:

Insgesamt bietet „Flipped Classroom“ ein interessantes Experimentierfeld, das es zu erforschen gilt. Die genannten Herausforderungen hindern mich nicht daran es auszuprobieren. Gerade als ergänzende und abwechslungsreiche Methode verorte ich das Konzept momentan.

Damit es ein tragfähiges Konzept wird, das den Lernerfolg signifikant und in der Breite verbessert, bedarf es professioneller Lehrmaterialien, weit(er) entwickelter Hardwarekonzepte, die allen Lernenden adäquat Zugang verschaffen, viel pädagogischer Vorarbeit und motivierter Schülerinnen und Schüler sowie Lehrerinnen und Lehrer.

 

Danke für Ihre Zeit!

C.W. – Pädagoge aus dem schultech-Team

P.S.: Wie stehen Sie zu „Flipped Classroom“? Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht? Lässt sich das Konzept mit Ihren Schülerinnen und Schülern durchführen? Ich freue mich auf Ihren Kommentar!

 

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