Digitale Medien im Unterricht einsetzen

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​​Vermehrt vielfältige und digitale Medien im Unterricht einsetzen – das wünschen sich Schülerinnen und Schüler. Ihrer Meinung nach macht der Einsatz moderner Medien den Unterricht interessanter und trägt zu einem besseren Verständnis der vermittelten Inhalte bei. [1] Auch die Lehrenden sehen die Vorteile digitaler Medien, beispielsweise in der in der besseren Darstellung von Zusammenhängen. Der Einsatz ist für die Jugendlichen der Bitkom Studie nach jedoch noch deutlich ausbaufähig – sowohl qualitativ aus als quantitativ. [2]

Sie sind auf der Suche nach einfachen und zugleich effektiven Möglichkeiten, digitale Medien in Ihren Unterricht zu integrieren? Bestimmt sind Sie dabei bereits auf unzählige Informationen und Möglichkeiten gestoßen. Und auch ein wenig erschlagen davon.

Wir haben in diesem Artikel versucht, die relevanten und sinnvollen Möglichkeiten herauszuarbeiten, zu erklären und Beispiele dafür zu geben. Damit Sie nach dem Lesen dieses Artikels sofort starten und im Umgang mit digitalen Medien souverän unterrichten können.

Sich mitzuteilen ist Natur; Mitgeteiltes aufzunehmen, wie es gegeben wird, ist Bildung.

Johann Wolfgang von Goethe

Deutscher Dichter

Was bewirken digitale Medien im Unterricht?

Digitale Unterrichtsmedien tragen dazu bei, die vermittelten Inhalte im Unterricht anschaulicher und somit wirklichkeitsgetreuer zu gestalten. Simulationsprogramme sind besonders für Wiederholungen oder weitere Veranschaulichungen geeignet – gerade dann, wenn zu vermittelnde Inhalte abstrakt sind. Beispielsweise können im Mathematikunterricht in der analytischen Geometrie 3D-Programme eingesetzt werden, sodass die Lehrenden durch die dreidimensionale Darstellung von Geraden und Ebenen einen anschaulichen Zugang zum Thema erhalten. So können auch Schülerinnen und Schüler mit schwächer ausgeprägten räumlichen Vorstellungsvermögen abgeholt werden. Weiter können im Fremdsprachenunterricht Videoaufzeichnungen (bspw. von Muttersprachlern) eingesetzt werden, um die Sprachkompetenz zu fördern.

Des Weiteren begünstigt das Erstellen eigener Medienprodukte die Erfahrung von Wirklichkeit und ermöglicht durch aktives Lernen eine individuelle Annäherung an die Unterrichtsinhalte: Produzieren die Schülerinnen und Schüler beispielsweise zu einem Buch oder Artikel einen eigenen Film, nehmen sie die Rolle der Charaktere physisch und geistig ein, was das Auseinandersetzen mit und Lernen über die Inhalte daraus fördert. Zugleich lernen sie das Kreieren eigener Medienprodukte und erfassen in der aktiven Medienarbeit ihre Möglichkeiten Wirkungsweisen. [3]

Wie sieht mediengestützter Unterricht aus?

In den vergangenen Jahren sind die Einsatzmöglichkeiten digitaler Unterrichtsmedien als Instrument im Schulunterricht besonders für Lehrkräfte stetig gewachsen. Häufig werden traditionelle Präsentations-, Interaktions- und Kollaborationsformen mit multimedialen Formen kombiniert. Immer mehr stellen Verlage die Unterrichtsmaterialien auch digital bereit. Mobile Geräte ermöglichen zudem das Arbeiten mit digitalen Medien auch außerhalb des PC-Raums als integrative Form im Unterricht. Im Folgenden finden Sie Möglichkeiten digitalen Unterrichtens, wie Sie nach Breiter, Welling und Stolpmann untersucht worden sind:

  • Das Üben und Trainieren definierter Unterrichtsinhalte (bspw. durch Simulations und Visualisierungssoftware)
  • Informationsquelle und Recherche im Internet
  • Simulationsprogramme für ein modellhaftes Erkunden und Ausprobieren (bspw. durch 3D-Modelle wie bei mozaik)
  • Digitale Bücher zur Ergänzung des Unterrichts
  • Apps als Erweiterung für die bestehenden Lehrbücher (wie bspw. von Cornelsen oder Westermann)
  • Präsentieren, Erstellen und Bearbeiten audio-visueller Medien (bspw. durch PowerPoint oder beim Erstellen von Erklärvideos wie durch mysimpleshow
  • als Lern-Management-Systeme (LMS) / Lernplattformen zur Bereitstellung, Bearbeitung, zum Abruf, Austausch und zur (a)synchronen Kommunikation (bspw. Moodle) [4]

Bedeutung und Stellenwert digitaler Medien

Die zunehmende Bedeutung digitaler Medien im Unterricht spiegelt sich auch in den neuen Bildungsplänen der Länder wider.

In einigen Bundesländern ist der Einsatz neuer Medien erstmals für alle Schularten verpflichtend. Dies umfasst alle Fächer in allen Klassenstufen, womit digitale Medien integrativer Bestandteil jedes Unterrichtsfachs sind.

Durch die Fächerintegration wird den neuen Medien jener Stellenwert zuteil, den sie zur gesamtgesellschaftlichen Bedeutung benötigt. Nicht nur der gesellschaftliche Wandel macht das Auseinandersetzen mit digitalen Medien unverzichtbar. Insbesondere die neuen methodisch-didaktischen Anforderungen wie Individualisierung und Differenzierung, was angesichts eines breiten Leistungsspektrums in einzelnen Klassen grundlegend ist, können durch die Arbeit mit neuen Unterrichtsmedien abgedeckt werden.

Grundvoraussetzung zum Einsatz digitaler Medien in den Schulen sind die vorherrschenden Rahmenbedingungen, welche der Lehrperson den Einsatz niederschwellig ermöglichen müssen. Durch das Erstellen eines Medienentwicklungsplans (MEP) werden diese Bedingungen definiert und festgehalten und mit einem konkreten Ziel und Vorgehen versehen. Nicht zuletzt das Abrufen der Gelder für die Digitalisierung der Schulen aus dem DigitalPakt macht den Medienentwicklungsplan für eine Schule unerlässlich. Auch und insbesondere zur Visualisierung und Definition der eigenen Strategie und Planung für den integrativen Einsatz digitaler Medien im Unterricht ist dies ein sinnvoller und wichtiger Weg.

Eines wird in den durchgeführten Studien hierzulande immer deutlich: Fehlt die entsprechende schulische Ausstattung oder funktioniert diese nicht zufriedenstellend, führt das häufig dazu, dass auf altbewährte Methoden und Unterrichtsmedien zurückgegriffen wird. Dabei sind es gerade die digitalen Medien, welche offene und differenziertere Formen des Lernens ermöglichen. Ganz zu schweigen von den Chancen, selbstständiges Lernen zu erlernen oder der Individualität der Jugendlichen und Kinder gerecht zu werden. Der Medienentwicklungsplan dient daher der Verbindung pädagogischen Erfordernisse des Kollegiums mit den technischen Geräten und Systemen sowie den finanziellen Möglichkeiten des Schulträgers. Beteiligt sich das gesamte Kollegium am Entwicklungsprozess des MEP, lassen sich die Ziele des Bildungsplanes nach einer fächerintegrativen Medienbildung erfolgreich umsetzen.

4 Konkrete Tipps und Beispiele für digitale Medien im Unterricht

Nachfolgende Tipps und Beispiele sollen Ihnen helfen, sofort mit konkreten Projekten und Inhalten ins digitale Unterrichten starten zu können. Einige weitere Tipps und Inhalte finden Sie in Buch „99 Tipps: Digitale Medien im Unterricht“ von Holger und Rainer Mittelstädt.

1. Reichern Sie Ihre Arbeitsblätter an

Es gibt einige großartige Möglichkeiten, die auf den bestehenden Arbeitsblättern vermittelten Lehrinhalte durch weitere Erklärungen und mediale Inhalte zu bereichern. Das Internet bietet hierfür eine Vielzahl passender Erklärvideos, Bildern und weiterführenden Texten an. Haben Sie solche Inhalte für sich entdeckt und möchten Sie diese Ihren Schülern zur Verfügung stellen, gelingt das im Handumdrehen. Nutzen Sie zur Verlinkung der gefundenen Inhalte im Internet einfach einen sogenannten QR-Code. Dieser stellt den textuellen Link grafisch dar, den Sie auf das Arbeitsblatt kopieren können. Durch Abscannen dieses Codes gelangt der Schüler, egal ob im Unterricht oder als weiterführende Inhalte für zu Hause, direkt zur gewünschten Quelle. Erstellen gleich Ihren ersten QR-Code: https://www.qrcode-generator.de/ oder informieren Sie sich über die vielen Vorteile und Möglichkeiten von Arbeitsblättern mit QR-Codes.

2. Einen Schulblog erstellen

Wenn Sie auf Ihrer Schulwebsite noch keinen Blog-Bereich eingerichtet haben, ist dies für den beauftragten Webdesigner oder gar Netzwerkbetreuer kein Problem. In diesem Bereich können dann Schülerinnen und Schüler redaktionelle Beiträge über die Aktivitäten und Geschehnisse im Schulalltag berichten. Dies fördert nicht nur das Bewusstsein für die Verbreitung von Informationen und die nötige Transparenz und Recherchearbeit, auch werden sie die Beiträge anderer Blogs oder Zeitungen in einem anderen Licht wahrnehmen und im besten Fall lernen, diese sachlich zu hinterfragen. Mögliche Themen für den Schulblog sind im Grunde unbegrenzt, nachfolgend finden Sie eine Auswahl als ersten Startpunkt:

  • Berichte zu Veranstaltungen (Sport, Konzerte, …)
  • Neue Lehrerinnen und Lehrer
  • Inhalte aus Workshops und Seminaren
  • Termine und Infos für die neuen Schülerinnen und Schüler (und natürlich auch Eltern)
  • Berichte über neue Anschaffungen
  • Berichte und Fallstudien aus dem Unterrichtsleben

3. Nutzen Sie Lehrfilme

Zur Veranschaulichung und Wiederholung von Unterrichtsinhalten stellen Lehrvideos eine tolle Ergänzung dar. Heutzutage ist es im Vergleich zur Zeit der Videokassetten zudem längst nicht mehr so aufwendig, passende Videos im Internet zu finden. Selbst ohne Vorbereitung ist der spontane Einsatz digitaler Lehrfilme über Plattformen wie YouTube (https://www.youtube.com/) oder den Mediatheken ARD (https://www.ardmediathek.de/ard/) und ZDF (https://www.zdf.de/) keine Hürde, das Unterrichtsgeschehen interessanter und vielfältiger zu gestalten.

Eine gute Übersicht von Lernvideos auf YouTube hat der WDR zusammengestellt: https://www1.wdr.de/wissen/mensch/youtube-tutorials-uebersicht-100.html

4. Veranstalten Sie einen Book Slam [5]

Book Slam ist eine Veranstaltungsform der Leseförderung, die von Dr. Stephanie Jentgens an der Akademie Remscheid entwickelt wurde. Ein Book Slam ist also ein Wettbewerb, in dem Inhalte aus Büchern auf eine kurzweilige und informative Art den Mitschülern vermittelt werden sollen:

  • Jede Buchpräsentation darf maximal 3 Minuten dauern. Hierüber wachen zwei Mitschüler mit Stoppuhr und Trillerpfeife
  • Nach jeder Buchpräsentation geben die Schülerinnen und Schüler im Publikum eine Wertung ab. Zehn ist die höchste Punktzahl, eins die niedrigste
  • Nach den Präsentationen werden die Punkte addiert und das Siegerbuch gekürt
  • Am Ende der Präsentationen werden alle vorgestellten Bücher für die Schüler ausgestellt, so dass sie einen Blick hineinwerfen können

Diese Art der Wissensvermittlung ist im Gegensatz zum stupiden Lesen von Büchern dahingehend sinnvoll, als dass die Schülerschaft in einem kleinen Wettbewerb gegeneinander antritt. Ziel ist es, den Inhalt der Bücher so interessant und verständlich den Mitschülern darzubieten, dass diese eine hohe Punktzahl vergeben.

Fazit und Zusammenfassung

Der Einsatz digitaler Medien im Unterricht eröffnet sowohl den Lehrenden als auch den Lernenden eine Vielzahl interessanter und zielführender Möglichkeiten. Neben den positiven Auswirkungen auf Interesse und Lerneffekt macht es den Lehrkräften zudem eine vielfältigere und anschaulichere Unterrichtsgestaltung möglich.

Die Bedeutung digitaler Medien ist von allen Bundesländern als zentraler Baustein erkannt worden, was sich nicht zuletzt in der fächerintegrativen Verankerung aus den Bildungsplänen ergibt. Die schulischen Rahmenbedingungen sind ebenso grundlegend wie der Wille und das Engagement jedes Lehrenden. Für die ersten Berührungspunkte finden Sie im Artikel konkrete Tipps und Beispiele, wie Sie noch heute mit der Integration digitaler Unterrichtsmedien beginnen können.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß und Erfolg dabei!

Ihre Pädagogen aus dem schultech-Team.

Quellen

[1] https://www.bitkom.org/sites/default/files/file/import/BITKOM-Studie-Jugend-20.pdf

[2] https://www.bitkom.org/sites/default/files/pdf/noindex/Publikationen/2015/Studien/Digitale-SchulevernetztesLernen/BITKOM-Studie-Digitale-Schule-2015.pdf

[3] https://www.lmz-bw.de/medien-und-bildung/medienbildung/grundlagen-der-medienbildung-und-mediendidaktik/medieneinsatz-in-der-schule/

[4] https://www.medienanstalt-nrw.de/fileadmin/lfm-nrw/Forschung/Kurzfassung-Band-64-Medienkompetenz-in-der-Schule.pdf

[5] https://www.friedrich-verlag.de/bildung-plus/digitale-schule/medieneinsatz-im-unterricht/neue-medien-in-der-schule/

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